Pfarrei St. Stephanus Wackersdorf
Pfarrei St. Stephanus Wackersdorf

Wort des Pfarrers zur Corona-Krise

Liebe Christinnen und Christen unserer Pfarrgemeinde,

 

eigentlich fällt es mir nicht besonders schwer, Predigten und Ansprachen zu halten oder theologische und besinnliche Texte zu verfassen.

Ich betone: „Eigentlich“. Denn in dem Augenblick, wo ich diese Zeilen schreibe, ringe ich regelrecht nach den geeigneten Worten. Ich würde Sie gerne persönlich ansprechen, Sie dabei ansehen, Ihre Reaktion auf meine Äußerungen wahrnehmen. – So, wie es bei einer Predigt der Fall ist. Doch es geht nicht.

Vielleicht kann Ihnen und mir zunächst folgendes „Bild“ helfen:

In den letzten Tagen habe ich oft an meine verstorbene Großmutter gedacht. Sie war eine kluge Frau mit einem nüchternen Verstand und einem warmen Herzen. Als gebürtige Nordoberpfälzerin war sie es gewohnt, dass ihr der Wind „rau um die Nase“ wehen konnte. Ihre Enkelkinder liebten sie und auch ich war so oft es nur ging bei meiner Oma. Manchmal erzählte sie von der Zeit des Zweiten Weltkriegs, den sie als junge Frau miterleben musste. Wenn sie über diese Jahre des Krieges sprach, kamen irgendwann immer die Worte: „So war das in der schlechten Zeit.

Die „schlechte Zeit“. – Das ließ mich aufhorchen. Und einmal kommentierte ich dies ganz unüberlegt (wie es halt bei Teenagern oft der Fall ist), indem ich anfügte: „Oma, die schlechte Zeit ist vorbei und sie wird auch nicht mehr kommen.“ Darauf meinte sie nur: „Es kommt immer irgendwann eine schlechte Zeit.“

Dieser Satz ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben und er ist in diesen Tagen äußerst präsent.

Ich möchte an dieser Stelle keinen direkten Vergleich von Corona-Krise und Zweiter Weltkrieg herstellen. Aber die Worte „schlechte Zeit“ finde ich für die momentane Situation durchaus zutreffend.

Das Corona-Virus breitet sich über die gesamte Welt mit einer Geschwindigkeit aus, mit der kaum jemand so gerechnet hat. Die Bilder von schwerstkranken Menschen, die aus Italien zu uns gelangen, sind entsetzlich. Die unzähligen Särge, die wir über die Medien sehen, machen uns Angst. Wir sind in Gedanken und im Gebet mit Italien und der ganzen Weltbevölkerung verbunden, hoffen für den gesamten Erdball, dass die Zahlen der Infizierten und Schwerstkranken endlich zurückgeht und unsere Heimat weitestgehend verschont bleibt.

Dennoch hören auch wir für unser Land: Die Lage ist ernst. Das sagen uns Politiker, Virologen und Ärzte.

Tatsächlich ist auch bei uns Covid - 19 angekommen. Keiner kann wirklich sagen, wie sich die Situation in einigen Wochen entwickelt haben wird.

Was können wir tun? Wie können wir in die Zukunft gehen?

Wo finden wir Hoffnung? Und wo entdecken wir „Sonnenstrahlen“, an denen wir uns festhalten können?

Der evangelische Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm macht Mut. Er sieht seit dem Ausbruch der Corona-Krise in unserem Land die Bevölkerung als von Empathie und Zusammenhalt geprägt.

Ich kann dies auch für unsere Pfarrei tatsächlich so unterschreiben. Für unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, sowie Risikogruppen, hat sich beispielsweise ein Einkaufsdienst des Burschenvereins und der Nachbarschaftshilfe gegründet. Ihnen gilt ein großes „Vergelt´s Gott“ von meiner Seite.

Jeden Abend um 19.30 Uhr schließen wir uns zum gemeinsamen Gebet in unseren Häusern und Wohnungen zusammen und stellen eine Kerze ans Fenster. Wir sind sensibler geworden und konzentrieren uns wieder auf das Wesentliche im Leben.

Schließlich bekomme ich so viele zuversichtliche Mails, Whatsapps und Anrufe wie schon lange nicht mehr.

Die Krise scheint tatsächlich Empathie und Sinn für Gemeinschaft zu wecken.

In dem Augenblick, als ich diese Zeilen für Sie schreibe, erreicht mich eine Whatsapp von einem Senior unserer Pfarrei mit einem nachdenklichen Text, der auch etwas Positives aus der Covid-19 – Krise ziehen will. Er trägt die Überschrift „Es könnte sein“. Sie finden ihn nach meinen Worten an Sie auf der Homepage. Nehmen Sie sich die Zeit, ihn zu lesen! -

Ein altes Sprichwort sagt: „Not lehrt beten.“

Irgendwie mag ich dieses Sprichwort nicht. Aber es könnte etwas Wahres dran sein. Denn das „Thema Gebet“ rückt wieder stärker in den Fokus, so hat es für mich jedenfalls den Anschein.

Nehmen wir uns in diesen Tagen und Wochen wieder bewusst Zeit für die Fragen nach dem Ursprung, dem Sinn und dem Ziel unseres Lebens. Suchen wir die Quelle, die uns Hoffnung geben kann: Den dreifaltigen Gott.

Ich versichere Ihnen, dass Pater Georg und ich Sie in unsere Gebete einschließen. Wir zelebrieren für Sie die Heilige Messe und spenden Ihnen Gottes Segen.

Tagsüber sind die Kirchen in Wackersdorf und Heselbach zum Gebet geöffnet. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit im Rahmen eines Spaziergangs, die Kirche zu besuchen, innezuhalten und eine Kerze anzuzünden.

Schließen wir uns zu einer großen Gebetsgemeinschaft zusammen und beten wir füreinander. Halten wir fest zusammen und unterstützen wir uns gegenseitig in jeglicher Hinsicht. Schärfen wir unsere Sinne für diejenigen, die unsere Hilfe brauchen und packen wir tatkräftig und geduldig mit an.

Im Vertrauen auf Gottes Beistand segne Sie der dreieinige Gott: Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Bleiben Sie gesund!

 

Ihr Pfarrer

Christoph Melzl

 

 "ES KÖNNTE SEIN"

 

Es könnte sein, dass in den Häfen die Schiffe für die nächste Zeit brach liegen, ... es kann aber auch sein, dass sich Delfine und andere Meerestiere endlich ihren natürlichen Lebensraum zurückholen dürfen. Delfine werden in Italiens Häfen gesichtet, die Fische schwimmen wieder in Venedigs Kanälen! ?????

 

Es könnte sein, dass sich Menschen in ihren Häusern und Wohnungen eingesperrt fühlen, ... es kann aber auch sein, dass sie endlich wieder miteinander singen, sich gegenseitig helfen und seit langem wieder ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Menschen singen miteinander! Das berührt uns zutiefst! ???

 

Es könnte sein, dass die Einschränkung des Flugverkehrs für viele eine Freiheitsberaubung bedeutet und berufliche Einschränkungen mit sich bringt,... es kann aber auch sein, dass die Erde aufatmet, der Himmel an Farbenkraft gewinnt und Kinder in China zum ersten Mal in ihrem Leben den blauen Himmel erblicken. Seht euch heute selbst den Himmel an, wie ruhig und blau er geworden ist! ?

 

Es könnte sein, dass die Schließung von Kindergärten und Schulen für viele Eltern eine immense Herausforderung bedeutet,...es kann aber auch sein, dass viele Kinder seit langem die Chance bekommen, endlich selbst kreativ zu werden, selbstbestimmter zu handeln und langsamer zu machen. Und auch Eltern ihre Kinder auf einer neuen Ebene kennenlernen dürfen. ?

 

Es könnte sein, dass unsere Wirtschaft einen ungeheuren Schaden erleidet,... es kann aber auch sein, dass wir endlich erkennen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben und dass ständiges Wachstum eine absurde Idee der Konsumgesellschaft ist. Wir sind zu Marionetten der Wirtschaft geworden. Es wurde Zeit zu spüren, wie wenig wir eigentlich tatsächlich brauchen. ?

 

Es könnte sein, dass uns das auf irgendeine Art und Weise überfordert, ... es kann aber auch sein, dass wir spüren, dass in dieser Krise die Chance für einen längst überfälligen Wandel liegt,  der die Erde aufatmen lässt,  die Kinder mit längst vergessenen Werten in Kontakt bringt,  unsere Gesellschaft enorm entschleunigt,  die Geburtsstunde für eine neue Form des Miteinanders sein kann,  und uns zeigt, wie schnell die Erde bereit ist, ihre Regeneration einzuläuten, wenn wir Menschen Rücksicht auf sie nehmen und sie wieder atmen lassen. 

 

ES KÖNNTE SEIN, dass uns diese Zeit wachrüttelt. Denn es geht um unsere Zukunft. Es geht um die Zukunft der nächsten Generationen!

 

Erstkommunion in Wackersdorf:

Sonntag, 18. Oktober 2020

um 9.00 und 11.00 Uhr

und

Sonntag, 25. Oktober 2020

um 9.00 und 11.00 Uhr

 

Der Ehejubiläumsabend 2020 entfällt!

Firmung 2020 entfällt!

Hier finden Sie uns

Kath. Pfarramt St. Stephanus, Marktplatz 6, 92442 Wackersdorf

Tel:  09431 / 5735 

Fax: 09431 / 55652

Mail:

st-stephanus.wackersdorf@kirche-bayern.de

 

Bürozeiten

Öffnungszeiten des Pfarrbüros für den Parteiverkehr
 
Dienstag von
14.00 Uhr bis 17.00 Uhr;
 
Mittwoch bis Freitag von
9.00 Uhr bis 11.00 Uhr.
 
Eine telefonische Anmeldung ist nicht mehr erforderlich.
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