Pfarrei St. Stephanus Wackersdorf
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Impuls zum Palmsonntag

(von Pfarrer Christoph Melzl)

Liebe Christinnen und Christen,

 

mit der kalten Jahreszeit kann ich überhaupt nichts anfangen. Ich bin ein echter „Sommertyp“, wenn ich das so salopp sagen darf. Am liebsten verreise ich dann ans Meer. Ich genieße die Sonne am strahlend blauen Himmel, den Strand mit dem warmen, feinen Sand unter den Füßen und – die Palmen!

Das Bild, das sie zu Anfang meines Impulses sehen, ist vor acht Jahren auf der thailändischen Insel Koh Samui entstanden. Es ist in meiner Erinnerung noch sehr präsent, wie ich unter der großen Palme im wohligweichen Sand lag, das beruhigende Rauschen des türkisblauen Meeres hörte und die Zweige der Palme beobachtete, wie sie vom Wind in alle denkbaren Himmelsrichtungen hin und her wogten. Nach den vielen wuchtigen Palmen, die ich auf Koh Samui gesehen hatte, schien sie mir doch recht klein und verletzlich zu sein. Vor allem Ihre langen Zweige. Dabei kam mir folgendes afrikanisches Märchen in den Sinn:

 

Eine kleine Palme wuchs kräftig am Rande einer Oase. Eines Tages kam ein Mann vorbei. Er sah die kleine Palme und konnte es nicht ertragen, dass sie so prächtig wuchs.

Der Mann nahm einen schweren Stein und hob ihn in die Krone der Palme. Schadenfroh lachend suchte er wieder das Weite. Die kleine Palme versuchte, den Stein abzuschütteln. Aber es gelang ihr nicht. Sie war verzweifelt.

Da sie den Stein nicht aus ihrer Krone bekam, blieb ihr nichts anderes übrig als mit ihren Wurzeln immer tiefer in die Erde vorzudringen, um besseren Halt zu finden und nicht unter der Last zusammenzubrechen.

Schließlich kam sie mit ihren Wurzeln bis zum Grundwasser und trotz der Last in der Krone wuchs sie zur kräftigsten Palme der Oase heran.

Nach mehreren Jahren kam der Mann und wollte in seiner Schadenfreude sehen, wie wohl verkrüppelt die Palme gewachsen sei, sollte es sie überhaupt noch geben. Aber er fand keinen verkrüppelten Baum.

Plötzlich bog sich die größte und kräftigste Palme der Oase zu ihm herunter und sagte:

„Danke für den Stein, den du mir damals in die Krone gelegt hast. Deine Last hat mich stark gemacht!“

 

„Deine Last hat mich stark gemacht!“ Das ist für mich der entscheidende Satz in diesem Märchen. Die ganze Geschichte berührt mich sehr. Aber gerade der Schluss geht mir richtig zu Herzen. Wir alle hatten ja in unserem Leben bereits Lasten zu tragen.

Da mussten wir vielleicht feststellen, dass die Liebe unseres Lebens gar nicht so verliebt in uns war, wie wir glaubten, weil sie oder er schließlich andere Männer oder Frauen „im Kopf hatte“. Die Zeit des Liebeskummers: eine Last!

Und da kam plötzlich ein Schicksalsschlag daher, mit dem wir nie gerechnet hätten. Ein Mensch, der uns nahe stand , wurde uns von einer Sekunde auf die andere durch den Tod entrissen. Die Zeit der Trauer: eine Last!

Aber war es nicht auch so, dass diese „Zeit der Last“ auch wieder verging? Dass wir sie bewältigen konnten? Können wir nicht sagen, dass die eine oder andere Last uns tatsächlich im Nachhinein gestärkt hat und zu dem gemacht hat, was wir sind?

In diesen Tagen denke ich dabei natürlich an die Corona-Krise. Sie ist eine große Last für die Menschheit. Die Krise ist ja nicht allein mit Krankheit und Isolation, sondern auch mit Ängsten, Traurigkeit und Verlust verbunden. Aber können wir als große Menschheitsfamilie viellicht gestärkt daraus hervorgehen? Können wir nicht endlich die furchtbaren Mauern zwischen Nationen, Religionen, Geschlechtern, zwischen Alt und Jung einreißen und uns bewusst werden, dass wir alle ein Recht darauf haben, in Frieden und Freiheit auf dem Planeten Erde zu leben? Und schaffen wir es, dass die Vergewaltigung der Natur aufgrund von Egoismus und Speziesismus aufhört? – Ich hoffe darauf!

- „Deine Last hat mich stark gemacht“. Der Schluss des Märchens könnte sicher auch gut als Überschrift zur Passion Jesu passen, die am Palmsonntag gelesen wird. Nachdem Jesus vom Volk mit Palmzweigen bei seinem Einzug in Jerusalem  begrüßt wurde, schlug die Begeisterung der Bevölkerung für ihn sehr schnell um.

Wenige Tage später hat er die schwere Last des Kreuzes auf sich genommen, ist am Kreuz gestorben und ging an Ostern als Sieger über das Kreuz hervor. Die Last des Kreuzes hat er überwunden. Am Ostermorgen ist der Sohn Gottes zu neuem Leben erstanden. Nicht für sich. Vor allem für uns! Die Auferstehung Jesu ist für uns Christen und Christinnen das Zeichen schlechthin, dass das Schwache zu kraftvollem Leben erblühen kann.

Möge uns das ein Trost für unsere Zeit sein. Denn eine Last kann uns auch stark machen. 

Dazu erbitte ich für Sie alle die Kraft und den Segen des dreifaltigen Gottes: Des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

 

Bleiben Sie gesund!

 

 

 

 

 

ERSTKOMMUNION IN WACKERSDORF
Sonntag, 18. Oktober 2020 um 10:00 Uhr

Firmung 2020 entfällt!
Nach Weisung des H.H. Bischof werden alle Firmtermine für das Jahr 2020 ausgesetzt und auf 2021 verlegt. 

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